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ThailandTreff

7. September 2026 · 📍 Bangkok

Es gibt ein Gericht in Thailand, das eigentlich ein Fluchtbericht ist.

Khao Soi. Die Nudelsuppe aus dem Norden, gelb von Kurkuma, cremig von Kokosmilch, oben drauf ein Nest aus frittierten Nudeln. Wenn du in Chiang Mai warst, hast du sie gegessen.

Was fast niemand weiß: Sie ist nicht in Thailand entstanden.

Die Spur führt nach Yunnan, ins südliche China. Dort lebten und leben die Hui, chinesische Muslime. Mitte des 19. Jahrhunderts scheiterte ihr Aufstand gegen die Qing-Dynastie, und was danach kam, war brutal. Viele flohen nach Süden, über Burma, über Laos. Ein Teil landete im Norden Thailands, in Chiang Mai und Chiang Rai. Die Thai nennen sie bis heute Chin Haw.

Sie brachten ihre Handelsrouten mit. Und ihr Essen.

Auf dem Weg durch Burma nahm das Gericht etwas mit: Ohn No Khao Swe, Nudeln in Kokosmilch. Daher die Kokosmilch, daher der Name, der so burmesisch klingt. In Thailand kamen die lokalen Zutaten dazu, Zitronengras, Galgant, Garnelenpaste.

Und ein Detail, das mich immer wieder beeindruckt: Klassisches Khao Soi gibt es nicht mit Schweinefleisch. Huhn oder Rind. Weil die Menschen, die es mitgebracht haben, Muslime waren. Diese Entscheidung von vor 170 Jahren steht heute noch auf der Karte, in Läden, deren Besitzer die Geschichte gar nicht kennen.

Du sitzt auf einem Plastikhocker, es regnet, und in deiner Schüssel steckt eine Fluchtgeschichte durch drei Länder.

Essen vergisst nichts.

Wo hast du dein bestes Khao Soi gegessen? Ich sammle Adressen.

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